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MEINE GESCHICHTE
DCIS - die schleichende Katastrophe in meiner Brust
Da ich wie in einem Zeitsprung lebte, kann ich nicht mehr genau sagen WANN bei mir diagnostiziert wurde,
dass ich an dieser Vorstufe zum Brustkrebs erkrankt bin.
Es muss irgendwann im Februar 2005 gewesen sein.
Meine linke Brustwarze schmerzte und ich hatte das Gefühl als handele es sich um eine Entzündung.
Instinktiv habe ich an der Warze leicht gedrückt und ein milchartiges Sekret kam zum Vorschein.
Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, dachte es könne sich um eine Hormonstörung handeln.
Trotz allem habe ich einen Termin bei meiner Frauenärztin gemacht um sicher zu gehen.
Ein paar Tage später war ich bei ihr , sie machte Ultraschall, tastete die Brust ab und meinte es sei alles
unauffällig und in Ordnung.
Sie teilte meine Meinung mit der Hormonstörung und meldete mich nur zu allgemeinen Beruhigung bei
der Mammographie an.
Schon seltsam, mit 35 Jahren zur ersten Mammographie zu gehen.
Doch ich dachte nicht im Traum daran, dass da etwas Böses auf mich warten würde.
Selbstsicher und ruhig ging ich zum vereinbarten Termin
Etwas unheimlich erschien es mir schon, man hatte schon soviel vom Quetschen der Brust gehört.
Würde es weh tun ?
Wie läuft das ab ?
Ich kam in die radiologische Praxis
Alle waren sehr nett.
Oben rum frei machen.
Alles wurde genau erklärt.
Es tat nicht weh, drückte nur ein wenig.
Dann wieder ins Wartezimmer und auf die Bilder warten.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich eine Regenbogenillustrierte las in der über Dieter Bohlens bevorstehende
Hochzeit berichtet wurde, als man mich aufrief.
Die Ärztin wolle mich sehen.
Noch immer dachte ich mir in keinster Weise etwas Schlimmes.
Was dann folgte erlebte ich nur noch in Watte und voller Unglauben.
"Frau H. , das was ich auf den Bildern in Ihrer linken Brust gesehen habe gefällt mir überhaupt nicht! " begrüsste
mich die Ärztin mit ernstem Gesicht.
Ich schaute sie völlig perplex an und sie begann von Mikroverkalkungen zu sprechen während sie mich bat die
Arme zu heben und dabei begann meine Brust abzutasten.
Sie redetet von schnellstmöglicher Abklärung durch Operation, fragte wer meine Frauenärztin sei und dass ich
augenblicklich mit den Bildern zu ihr fahren solle……
Dann musste ich die Hände in die Hüfte stemmen und sie tastete weiter.
Ich dachte gar nichts, ich verstand gar nichts und stierte nur auf diese winzigen Pünktchen auf dem
Röntgenbild und wie aus der Ferne sprach meine eigene Stimme: "Die spinnt, die übertreibt, das ist nichts"
Wie in Trance gab ich der Ärztin, von der ich bis heute nicht weiß wie sie überhaupt heisst, die Nummer meiner
Frauenärztin.
Dann setzte ich mich ins Wartezimmer und wartete dass man mich wieder aufrief.
Ich las weiter von Dieter Bohlen und Estefania, da meine Zeitung noch aufgeschlagen da lag.
"Bei ihrer Frauenärztin ist ständig besetzt, am Besten sie fahren direkt vorbei, sie dürfen keine Zeit verlieren"
Immer noch völlig paralysiert nahm ich das große Paket mit den Bildern entgegen und fuhr wie ferngesteuert
zu meiner Frauenärztin, mit der Sicherheit sie würde diesen RIESEN Irrtum aufklären.
Diesen Alptraum platzen lassen wie eine Seifenblase….
Parallel rief ich meine Tante an, die Allgemeinmedizinerin ist und teilte ihr mit was da gerade bei mir ablief.
Sie versuchte mich zu beruhigen und war auch überfordert mit der Aussage über Mikrokalk in der Brust
Als ich bei meiner Frauenärztin ankam wurde ich schon erwartet.
Die Radiologin hatte sie zwischenzeitlich erreicht und in Kenntnis gesetzt.
Ich musste mit den Bildern noch kurz im Wartezimmer Platz nehmen.
Immer noch ruhig und gefasst und völlig sicher dass es sich um einen Irrtum handeln musste, las ich wieder
irgendeine seltsame Zeitung.
Dann wurde ich aufgerufen.
Stumm und mit bedenklichem Gesicht betrachtete meine Frauenärztin die Bilder.
Sie sprach von in situ, von "hoffentlich nicht invasiv" und von Operationen, von ggf. Brustentfernung und 100% Heilung.
Sie murmelte etwas von „Vorstufe“ und dass ich froh sein könnte.
Ich verstand nichts - aber GAR NICHTS
Ich konnte aber auch nichts fragen - ich war einfach paralysiert
Sie empfahl mir einen Operateur, mit dem ich einen schnellstmöglichen Termin ausmachen sollte.
Immer wieder der Satz: „der sicherste Weg ist die Brust weg, dann sind sie geheilt.“
Mit diesem Satz in meinen Ohren fuhr ich nach Hause - immer noch sicher es sei alles ein unglaublicher
Irrtum der sich in meiner Brust abspielt.
Es folgte ein wochenlanger Alptraum aus dem ich noch immer nicht aufgewachte, in den ich immer tiefer
sackte.
Ich habe das Internet nach Informationen ausgesaugt, habe verschiedene Ärzte aufgesucht, mir zig verschiedene
Meinungen angehört bis hin zur gänzlichen Verwirrung.
Habe mich mit van-nuys-Klassifikationen beschäftigt, die verschiedensten DCIS Formen, Brustaufbauten u.v.m
Schlauer bin ich nicht geworden.
Die Angst blieb.
Da ich gleichzeitig unter einer absoluten paranoiden Narkoseangst litt, habe ich eine Vakuumssaugbiopsie vorgezogen
die dann ergab, dass zwei der Mikrokalkherde die ich habe DCIS sind.
Stufe G2, non high grade mit Nekrosen, nicht invasiv.
Bei jeder neuen Mammographie wurden mehr Herde entdeckt.
Erst hieß es ich habe 3 Herde, dann plötzlich 6 Herde.
Multifokal kann bis heute keiner sagen.
Nun wurde entschieden, dass doch eine offene Biopsie gemacht werden müsse
Diese sollte gleichzeitig der Versuch sein "im gesunden zu entfernen"
Der Termin wurde gemacht für den 22 März 2005
Der Operateur sagte er würde Zylinderförmig das betroffene Gewebe entfernen und versuchen es im gesunden
zu entfernen.
Ein Herd konnte nicht mit einbezogen werden, da er woanders liegt.
Erst mal abwarten was die Histologie sagt, meinte er, dann sehen wir weiter.
Es würde ein Schnitt am Mamillenrand gemacht werden.
Eine so genannte Mamma PE
Unkomplizierter kleiner Eingriff zur genaueren Abklärung des Wachstums und zur Klassifizierung.
Den darauf folgenden Donnerstag soll das Ergebnis da sein.
Am Mittwoch sagte er mir dann es würde voraussichtlich bis nächsten Dienstag dauern, da der Pathologe
genaustens untersuchen müsse. Millimetergenau
Morgens kurz vor meiner Entlassung kam mein Arzt dann rein und teilte mir recht kurz und knapp mit, dass
er bereits per Fax vom Pathologen ein Teilergebnis erhalten hätte.
"Und ?" fragte ich ihn
"Ja, so wie es ist kann man es nicht lassen" war die Antwort
" Wie meinen Sie das , was bedeutet das ?" fragte ich ihn
"Naja, nur Bestrahlung ist zu risikoreich, es ist doch reichlich Gewebe betroffen"
"Heißt das die Brust muss weg?" meine Frage die mir vorkam wie Würmer aus der Nase ziehen.
"Ja, aber lassen Sie uns am Dienstag genauer sprechen - es gibt da ja verschiedenste Möglichkeiten"
"Ist schon was invasiv" ? meine nächste Frage
"Nein, bisher noch nicht, aber lassen Sie uns am Dienstag sprechen, es besteht jetzt keine Gefahr für
Leib und Leben aber wir sollten in den nächsten 4 Wochen handeln, ich wünsche Ihnen frohe Feiertage"
Und dann ging er…
Und ich saß um halb acht in der früh alleine auf meinem Krankenbett, mit meinen Glückbringerstofftieren
und konnte nicht mal weinen.
Als wäre ich in Paralyse festgefroren rief ich meine Mutter an, dass sie mich abholen könnte.
Dann folgte eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt weil ich mir lange nicht einig darüber war , welche
Sofortrekonstruktionsmaßnahme ich wählen sollte
Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht ohne Brust aufwachen wollte aber die verschiedenen
Rekonstruktionsmöglichkeiten überforderten mich massiv
Meine Tante, die auch Ärztin ist, wühlte sich mit mir durch zig Homepages und durch die
gesamt gebotene Fachliteratur
Gemeinsam wogen wir Risiken, Vor - und Nachteile der jeweiligen Methoden ab
Erst war ich der Entscheidung nah, einen Wiederaufbau aus dem Oberschenkelmuskel machen zu lassen
und besuchte den dafür prädestinierten Arzt in Innsbruck auf: Dr. Wechselberger
Eine Abhandlung darüber darf ich mit seinem Einverständnis hier veröffentlichen ( siehe unter Brustwiederherstellung)
Ich wurde sehr lange mit ausreichend Bildmaterial beraten und entschied mich dennoch schlussendlich
für den DIEP Flap
Ich dachte mir, wenn ich schon meine Brust verliere, dann nutze ich die Gelegenheit einen flachen und
straffen Bauch zu bekommen ;o)
Silikon kam für mich von Anfang an nicht in Frage, ich konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden
einen "Fremdkörper" in meiner "Restbrust" zu haben.
In meinem speziellen Fall wurde entschieden, dass ich die Außenhaut meiner Brust behalten dürfe
und man aber Sicherheitshalber dafür plädierte die Brustwarze samt Vorhof zu entfernen , da das Karzinom
sehr nah an den Mamillenrand gewachsen war
Trotzig wollte ich bis einen Tag vor der eigentlichen OP die Warze samt Hof behalten
Wenigstens einen Teil meines Busens "erretten"
Das Restrisiko erschien mir tragbar zumal mir jeder sagte ich hätte ohnehin ein 30% iges
Risiko, dass das DCIS auch in der gesunden Brust irgendwann auftreten könne
Super Aussichten
Meine Brüste - meine Feinde ?
Ich denke nur eine Frau in ähnlicher oder gleicher Situation kann nachvollziehen wie die
"letzten Tage" mit DEM BUSEN verlebt werden.
Manchmal lag ich weinend wie ein Kind auf der Couch, mit einem Kuscheltier in der einen Hand
und mit der anderen Hand umklammert ich beschützend meinen lieben linken Busen und war mir
sicher: "Ich stehe nie mehr von der Couch auf - und meine Brust kriegt keiner"
Kindisch und sinnlos - nicht abwendbar wenn man leben möchte
Gepeinigt zwischen Angst, Unwissendheit: Wie wird es sein? Wie wird es Aussehen ?
Ich konnte mir nicht im Entferntesten ein kosmetisches Ergebnis vor Augen zaubern
Alle Bilder die ich fand entsprachen nicht meinen Voraussetzungen
Alles was ich über die jeweiligen Rekonstruktionsmaßnahmen las , gruselte mich
Hebedefekte, Bauchwandbrüche, Muskelathrophien und noch vieler mehr dieser
grauseligen Begriffe
Ich träumte von deformierten Brüsten , sah Krebszellen in meiner Brust graben und wandern
und war ein inneres Nervenbündel
Dann war ich wieder stark und mutig, ohne Angst ( außer vor der Operation und der
damit verbundenen Narkose - ich HASSE Narkosen!)
Nach der schon erwähnten fast endlos erscheinenden Odyssee von Facharzt zu
Facharzt fand ich DEN Mann dem ich augenblicklich blind vertraute
Ich kam in sein Sprechzimmer , sah ihn und wusste : DER ist es
Ein echter Sympathieträger, menschlich, fachlich kompetent mit einer
rührend einfühlsamen Art
Wir diskutierten und besprachen die Situation und planten noch im selben Gespräch
den Operationstermin
Ich hatte sehr großes Glück, da eine Frau einen Termin am 25 Mai abgesagt hatte
Ich hatte also noch genau 4 Wochen mit meiner linken Brust
Erleichtert endlich DEN Richtigen gefunden zu haben und gleichzeitig traurig
dass es nun gewiss und endgültig war fuhr ich mit meiner Mutter wieder nach Hause
Den Rest der Geschichte findet ihr unter OPERATIONSVERLAUF
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